Von einer kleinen Werkstatt in einer Friedberger Kellerwohnung zum Sozialdienstleister mit 15 Standorten und rund 420 Beschäftigten: Die Teilhabe Wetterau hat ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür in Nidda gefeiert. Besucher konnten dabei nicht nur hinter die Kulissen schauen, sondern auch erleben, wie Inklusion heute praktisch funktioniert.
Im Mittelpunkt stand das neue Zuhause des Unternehmens in der Schillerstraße 29. Die „alte Post“ hatte die Teilhabe Wetterau 2023 gekauft und im Frühjahr 2025 bezogen. Wo früher Schalter, Schließfächer und eine Pakethalle waren, arbeiten heute Verwaltung und Bildungshaus. Einige Besucher erinnerten sich beim Rundgang noch an das frühere Gebäude. Einer zeigte sogar auf das Büro der Geschäftsführerin und erzählte: „Hier war früher mein Schlafzimmer.“
Wie unterschiedlich die Angebote heute sind, konnten die Gäste ebenfalls kennenlernen. Im Bildungshaus begleiten Mitarbeiter Menschen mit Unterstützungsbedarf nach der Schule auf ihrem Weg ins Berufsleben. Sie lernen verschiedene Arbeitsfelder kennen, absolvieren Praktika und entwickeln berufliche wie lebenspraktische Fähigkeiten. Beim Jubiläum zeigten unter anderem die Beruflichen Schulen am Gradierwerk aus Bad Nauheim und die Beruflichen Schulen Oberhessen aus Nidda und Büdingen Projekte aus ihrer Zusammenarbeit mit der Teilhabe Wetterau.
So ging es etwa um Mülltrennung und alkoholfreie Cocktails. Teilnehmer einer Teilqualifizierung zum Holverarbeitungshelfer präsentierten außerdem ein barrierearmes Hochbeet, das auch mit einem Rollstuhl gut erreichbar ist.
Auch für Menschen, die Beratung suchen, gab es Informationen. Die Beratungsstelle für Inklusion und Teilhabe hilft unter anderem bei Fragen zu Rehabilitation, Schwerbehinderung, Hilfsmitteln, Mobilität und Unterstützung im Alltag. Das Angebot reicht dabei bis zur Hilfe, den passenden Antrag bei der richtigen Behörde zu stellen. Die Personalentwicklung informierte zudem über Ausbildung, Berufseinstieg und Karrieremöglichkeiten.
Geschäftsführerin Eva Reichert betonte beim Tag der offenen Tür, dass Selbstbestimmung ein zentraler Gedanke der Arbeit sei. Deshalb konnten die Besucher selbst entscheiden, ob sie das Gebäude mit Audioguide erkunden oder an einer Führung teilnehmen wollten. Die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre war auf Postern dokumentiert – von den Anfängen in Friedberg bis zum heutigen Sozialdienstleister im Wetteraukreis.
Am Abend blickte die Teilhabe Wetterau mit rund 70 Gästen noch einmal auf ihre Geschichte zurück. Die Geschäftsführer Eva Reichert und Markus Haselbauer verbanden wichtige Entwicklungsschritte der Eingliederungshilfe mit persönlichen Geschichten. Auch Landrat Jan Weckler würdigte die Arbeit des Unternehmens und die Zusammenarbeit mit dem Wetteraukreis. Die Teilhabe Wetterau sei aus der Region nicht wegzudenken und leiste wertvolle Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigungen, sagte Weckler.
Für Lena Herget, Vorsitzende des Teilhabe Wetterau e.V., geht es bei Inklusion letztlich um etwas, das jeden Menschen betrifft: dazugehören, ernst genommen werden und eigene Entscheidungen treffen können. Ihr Wunsch für die Zukunft: Die Teilhabe Wetterau solle auch in den kommenden Jahrzehnten ein Ort bleiben, an dem Menschen gesehen werden und echte Teilhabe aus Respekt, Vertrauen und Menschlichkeit entsteht.
Quelle: Redaktion

