Illegale Müllablagerungen sollen in Bad Nauheim künftig schneller erkannt und verfolgt werden. Dafür setzt die Stadt seit vergangener Woche erstmals sogenannte Wildmüllblitzer ein, die mithilfe von KI verdächtige Ablagevorgänge erkennen sollen.
Getestet wird das System zunächst an der Wertstoffsammelstelle in der Schwalheimer Straße sowie an weiteren bekannten Problemstellen. Eine mobile Einheit kann dabei flexibel an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden. Ziel ist es, Müllsünder zu identifizieren und sie für die Kosten und Folgen ihrer illegalen Ablagerungen zur Verantwortung zu ziehen.
Die Kameras zeichnen dabei nicht einfach dauerhaft das Geschehen auf. Eine automatische Bilderkennung prüft die Aufnahmen auf typische Hinweise, die auf das Ablegen von Müll hindeuten – etwa wenn größere Gegenstände oder Müllsäcke zurückgelassen werden. Erkennt die KI ein entsprechendes Muster, entsteht ein Verdachtsfall und eine kurze Bildsequenz wird gesichert. Über das weitere Vorgehen entscheidet allerdings nicht die KI, sondern geschultes Personal der Stadt.
Dabei geht die Verwaltung Schritt für Schritt vor. Mitarbeitende prüfen zunächst den Verdachtsfall. Erst wenn sich der Ablagevorgang bestätigt, wird untersucht, ob sich daraus eine Zuordnung zu einer Person oder einem Fahrzeug ergibt. Die erforderlichen Bildbereiche werden dafür stufenweise freigegeben. Unbeteiligte Menschen sollen dabei nicht erfasst werden. Nicht benötigte Aufnahmen werden gelöscht.
Bürgermeister Klaus Kreß sieht in dem System eine Möglichkeit, gegen ein Problem vorzugehen, das nicht nur unschön aussieht, sondern auch die Allgemeinheit belastet. Als Gesundheitsstadt lege Bad Nauheim großen Wert auf einen sauberen und gepflegten öffentlichen Raum. Der Wildmüllblitzer solle dabei „datenschutzgerecht und mit Augenmaß“ eingesetzt werden, so Kreß.
Entwickelt wurde die Lösung gemeinsam mit der Celective GmbH. Nach Angaben des Unternehmens wurden Datenschutzanforderungen bereits bei der Entwicklung berücksichtigt. Dazu gehören die anlassbezogene Speicherung und die schrittweise Freigabe von Bildinformationen. Beteiligt sind außerdem die Stadtreinigung, der externe Datenschutzbeauftragte der Stadt sowie weitere Fachleute. Der Kontakt zur Celective GmbH entstand über das Netzwerk des Coworking Space und Gründerzentrums „Work Nouveau“.
Das Pilotprojekt soll nicht auf die ersten Standorte beschränkt bleiben. Nach einer Datenschutz-Folgenabschätzung kann die Stadt das System künftig auch an weiteren bekannten Müll-Hotspots einsetzen. Zusätzliche mobile Wildmüllblitzer sind geplant. Außerdem wird daran gearbeitet, erkannte Fälle künftig schneller an die Hilfspolizei weiterzugeben, damit möglichst früh eingeschritten werden kann.
Für Menschen, die illegal Müll abladen, kann es teuer werden. Je nach Art und Umfang des Verstoßes sind Bußgelder von bis zu 500 Euro möglich. Dazu kommen die Kosten für die Entsorgung, einschließlich des Einsatzes von Personal und Maschinen. Wird der Verursacher ermittelt, können dadurch schnell Kosten im vierstelligen Bereich entstehen.
Quelle: Redaktion

